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Sprachen6. Oktober 20263 Min. Lesezeit

„We must not finish by Friday“ – falsche Freunde im Meeting

Warum Ihr Englisch schlechter klingt, als es ist.

Ein deutscher Manager lächelte mich an der Bar an und sagte sehr höflich: „I would like a bear, please.“ Einen Bären hatte ich nicht. Bier schon. Reichlich.

Ich wusste genau, was passiert war, denn mir war auf Deutsch dasselbe passiert: Ich hatte einmal der ganzen Bar verkündet, es sei „ziemlich schwul hier drin“, als ich schwül meinte. Beide Fehler haben dieselbe Ursache. Und es ist weder schlechtes Englisch noch schlechtes Deutsch.

Gelesen, aber nie gehört

Schauen Sie sich zwei Wörter an: fear und bear. Dieselben Buchstaben in der Mitte. Das eine klingt wie „ear“, das andere wie „air“. Keine Regel auf dem Papier sagt Ihnen, welches welches ist. Sie wissen es nur, wenn Sie es gehört, gesagt und vielleicht einmal vor anderen falsch gesagt haben.

Das ist das stille Problem vieler gut ausgebildeter Fachleute, mit denen ich arbeite. Sie lesen seit zwanzig Jahren Englisch: Berichte, E-Mails, Verträge. Ihr Lesen ist exzellent. Ihr Sprechen läuft auf einer Version der Sprache, die nur auf Papier existiert. Die Augen kennen das Wort. Die Ohren nicht.

Ein Wort, das Sie gelesen haben, gehört Ihnen noch nicht. Es gehört Ihnen, wenn Sie es laut gesagt und überlebt haben.

Und jetzt ab ins Meeting

An der Bar ist ein Bär lustig. Im Meeting kann derselbe Ausrutscher Vertrauen, eine Deadline oder einen Auftrag kosten. Diese falschen Freunde höre ich am häufigsten, von Führungskräften mit sehr gutem Englisch:

  • „When do we become the results?“ Bekommen heißt to get. Become heißt „zu etwas werden“. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt ein Quartalsbericht. Besser: When do we get the results?
  • „I'll ask my chef.“ Chef ist auf Deutsch der Vorgesetzte. Im Englischen kocht ein chef. Er genehmigt Ihr Budget mit der Bratpfanne. Besser: I'll ask my boss.
  • „I'll send it to your handy.“ Handy heißt auf Englisch „praktisch“. Ihre Kundin wartet immer noch darauf, dass es in ihrer Hand landet. Besser: I'll send it to your phone.
  • „I must shortly say something.“ Von „Ich muss kurz was sagen“. Freundlich, klingt aber übersetzt. Besser: Can I just add something?
  • „We must not finish by Friday.“ Der teure Fehler. Ich muss nicht heißt you don't have to. Must not heißt aber „es ist verboten“. Der Kunde hat gerade aufgehört zu arbeiten. Besser: We don't have to finish by Friday.

Nichts davon hat mit Intelligenz zu tun. Es sind Fingerabdrücke: Sie zeigen, dass eine Sprache mehr gelesen als gesprochen wurde. Im Meeting liest man diese Fingerabdrücke leider oft als Unsicherheit.

Und bitte: Hören Sie auf, gegen Ihren Akzent zu kämpfen

Ihr Akzent zeigt, woher Sie kommen. Er ist kein Fehler. Wenn ein Québécois „tabarnak“ sagt, hören Franzosen kein schlechtes Französisch, sondern Québec. Und hier in Baden-Württemberg führen einige der klügsten Köpfe Weltunternehmen mit breitem Schwäbisch und haben sich nie dafür entschuldigt. Ihr Akzent verändert sich von selbst, wenn Sie mehr hören und mehr sprechen.

Vier Dinge vor Ihrem nächsten Meeting

  1. Sagen Sie Ihre Schlüsselwörter laut. Nicht lesen, sagen. Die Wörter für Ihre Präsentation sollten in Ihrem Mund gewesen sein, bevor sie vor dem Vorstand stehen.
  2. Lassen Sie jemanden Ihre falschen Freunde finden. Ihre eigenen hören Sie nicht, sie klingen für Sie richtig. Ein Coach, der beide Sprachen spricht, hört sie in fünf Minuten.
  3. Hören Sie mehr, als Sie lesen. Podcasts, Telefonate, Filme ohne Untertitel. Ihre Ohren brauchen das Training, das Ihre Augen schon haben.
  4. Lassen Sie den Akzent da. Klar und selbstbewusst schlägt perfekt und stumm.

Sie können sich nicht ins Sprechen hineinlesen. Das Buch gibt Ihnen die Wörter. Nur das Gespräch gibt Ihnen den Klang, das Timing und die Sicherheit, dass das richtige Wort kommt, wenn es darauf ankommt.

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